Namensgeberin

Wer ist „Marion Dönhoff“, der die Schule ihren Namen verdankt?

Biographische Notizen

Frau Dr. Marion Gräfin Dönhoff wird am 2. Dezember 1909 auf Schloss Friedrichstein in der Nähe der ostpreußischen Hauptstadt Königsberg geboren und wächst dort mit sechs Geschwistern in der adelig-feudalen Gesellschaftsstruktur des wilhelminischen Kaiserreichs auf.

In das nach dem Abitur in Frankfurt begonnene Studium der Volkswirtschaft fällt die Machtübernahme durch die Nazis. Marion Dönhoff entschließt sich, in der Schweiz ihr Studium fortzusetzen, da viele der Professoren, die sie schätzt, von den Nazis vertrieben worden sind. 

Ihre Doktorarbeit und der 1939 begonnene 2. Weltkrieg führen sie in die ostpreußische Heimat zurück, da sie sich um die Verwaltung der riesigen Güter kümmern muss, denn die Brüder sind an die Front gerufen worden. 

In dieser Kriegszeit zieht es sie zunehmend in die schon lange befreundeten adeligen Kreise, die in Verantwortung für Deutschland im Widerstand gegen das Naziregime arbeiten, und zwar im „Kreisauer Kreis“ (Graf von Moltke, Graf von Yorck, u.v.a.) Von hier aus gehen die Kontakte zum Kreis des militärischen Widerstandes, aus dessen Mitte Graf Oberst von Stauffenberg kommt, der nach dem missglückten Attentat auf Hitler vom 20. Juli 1944 grausam hingerichtet wurde.  Marion Gräfin Dönhoff übernimmt in diesem Kreis eine aktive Rolle im deutschen Widerstand.

Am Kriegsende ist sie gezwungen wie unzählige Deutsche in den Ostgebieten, ihre Heimat zu verlassen, um vor der heranrückenden Roten Armee der Sowjetunion zu fliehen, die - nach jahrelanger grausamster Behandlung durch die Deutschen - voll Rachegefühlen die Grenzen zum Deutschen Reich schon überschritten haben.

Völlig erschöpft und mittellos kommt sie nach wochenlangem einsamen Ritt durch das kriegsgeschädigte winterkalte Deutschland im Westen an: und dann beginnt das, was sie ihr „zweites Leben“ nennt.  Aus der adeligen Gutsverwalterin wird die Journalistin, der 1946 Gelegenheit geboten wird, die Wochenzeitung „DIE ZEIT“ in der Nachkriegszeit mit aufzubauen.

Diese Zeitung, die heute als das beste deutsche Wochenblatt gilt und zu den führenden Zeitungen der Welt gehört, wird ihre Heimat. 

Über 50 Jahre arbeitet sie dort: anfangs als politische Journalistin im Team, später als Ressortleiterin, über die Chefredakteurin zur Herausgeberin dieses renommierten Blattes.

In dieser Zeit wird sie nicht nur geschätzte Gesprächspartnerin für führende Politiker in der Welt, sondern auch zur manchmal gefürchteten Kommentatorin, die unerbittlich für Toleranz, freiheitliches Denken, Aussöhnung und Gerechtigkeit kämpft. 

Schwerpunkte ihres politisch-journalistischen Engagements sind die Aussöhnung mit Polen, der Kampf gegen die Apartheit in Südafrika sowie das Engagement gegen jede Art von kleinbürgerlich- engem Partikular-Denken.  

Noch im Alter von über 90 Jahren schrieb Gräfin Dönhoff regelmäßig in der „ZEIT“ und war eine weit geschätzte Referentin und Teilnehmerin an Symposien zu wertorientierten Themen. Zahlreiche Bücher und Preise sind die Bilanz eines außergewöhnlichen Lebens.

Die Namensgebung

Die Marion-Dönhoff-Realschule Brühl/Ketsch ist sehr stolz, diesen Namen als erste Schule in der Bundesrepublik tragen zu dürfen.

Es war anfangs nicht leicht, bei allen Gremien diesen Namen durchzusetzen, aber dann überzeugte doch alle ihre Lebensleistung. Das Engagement von Marion Gräfin Dönhoff für Aussöhnung, Frieden, Toleranz und Gerechtigkeit wurde nicht nur von den Gremien der Schule als besonders vorbildlich für die junge Generation erkannt, auch die Öffentlichkeit im Umfeld der Schule beschäftigte sich zunehmend mit der Person dieser Namensgeberin und ließ sich davon überzeugen, dass die Wahl dieses Schulnamens eine wirklich gute Sache war.

Nach wochenlanger Vorbereitung empfing die Schulgemeinde am 13. Juni 1998  zum Festakt die berühmte Frau, die zum „Tauffest“ angereist war und der Schule die Ehre gab.

Alle 620 Schüler standen Spalier, als die Gräfin in der offenen Kutsche, die extra organisiert worden war, in das Schulgelände einfuhr und „ihre“ Schule kennen lernen wollte.

Und dann kam - nach der offiziellen Feier - die Enthüllung des Namens, die Gräfin Dönhoff persönlich vornahm.  Am nächsten Tag, als „unsere Gräfin“ schon wieder auf dem Weg ins heimische Hamburg war, feierte die Schule ihre Namensgebung mit einem großen Schulfest.

Unsere Namensgeberin ist tot.

100 Jahre Marion Gräfin Dönhoff

Am 11. März 2002 erreichte uns – wie alle Welt – die Nachricht, dass Dr. Marion Gräfin Dönhoff in der Nacht verstorben war.

Auch wenn sie mit 92 Jahren ein Alter erreicht hatte, das man gewöhnlich "gesegnet" nennt, so waren wir doch überrascht und bestürzt.

Die Reaktionen in aller Welt auf den Tod dieser außergewöhnlichen und bedeutenden Frau sind überwältigend.

Unserer Schule steht es nicht zu, uns in die Reihe derer zu begeben, die ergreifende Würdigungen schreiben.

Wir möchten aber in unserer Trauer vor allem Dank sagen, dass sie es uns ermöglicht hat, ihren Namen tragen zu dürfen und damit ein Zeichen zu setzen, dass ihre Ideale in unserer Bildungs- und Erziehungsarbeit ein hoher Maßstab und eine große Verpflichtung sein sollen.

Möge der Gedanke der Toleranz, der Friedensliebe und der Versöhnung über alle Grenzen hinweg sowie das Engagement an öffentliche Verantwortung für den Geist unseres Hauses immer prägend sein!